Innovationen mit Wirkung

Situational Awareness

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Ausgangslage und Problemstellung 

Wie aktuelle Konflikte zeigen, haben Gefechtsfahrzeuge – insbesondere Panzer und gepanzerte Fahrzeuge – nichts an Relevanz verloren. Ihr Einsatzspektrum hat sich jedoch weiterentwickelt, und auch die Bedrohungen sind gestiegen: panzerbrechende Mittel aus kurzer Distanz, schwer aufklärbare Kleinstformationen mit Sprengmitteln sowie Aufklärungs- und Angriffsdrohnen. 

Heute fehlen Systeme zur passiven Erkennung solcher Bedrohungen. Für die Aufklärung müssen dezidierte Kräfte eingesetzt werden, die dadurch an anderer Stelle fehlen – zudem können Sicht, Wetter, Dunkelheit oder Ermüdung ihre Wirkung einschränken. Das reduziert die Überlebensfähigkeit von Mensch und Material erheblich.

Lösung / Produkt

Technologien für Situational Awareness bei Gefechtsfahrzeugen sind noch jung. Weltweit gibt es nur wenige Anbieter mit Erfahrungen aus realen Gefechtseinsätzen. Die Swiss Innovation Forces haben sämtliche relevanten Technologien geprüft, die marktreifsten evaluiert und die passendste Lösung mit dem LVb Pz/Art während der Experiment-Phase intensiv getestet. 

Die getestete Lösung besteht aus: 

  • Optischen Sensoren (Tag-/Nachtsichtkameras) 
  • Recheneinheit mit integrierter KI 
  • Kabel- und Montageeinheiten sowie Tablets 

Herzstück ist die KI, die sich pragmatisch und ohne vollständige „Helvetisierung“ anpassen lässt. Vorteile sind ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, hohe Flexibilität, die kontinuierliche Weiterentwicklung durch reale Einsatzerfahrungen sowie die enge Zusammenarbeit mit dem Hersteller. 

Um systemischen Herausforderungen zu begegnen, wird ein modularer Ansatz verfolgt: Statt Integration in jedes Fahrzeug werden autonome, interoperable Module entwickelt, die ohne bauliche Anpassungen, mit Magneten montiert werden können. So kann die Fähigkeit rasch und kosteneffizient auf verschiedenste Gefechtsfahrzeuge verteilt werden. Dies steigert den Kampfwert bestehender Systeme, verlängert ihre Nutzungsdauer und überbrückt bis zur Beschaffung neuer Fahrzeuge – ein drängendes Thema für die nächsten Dekaden. 

Tests mit Berufs- und Milizformationen des LVb Pz/Art zeigten eindrückliche Resultate: 

  • Erkennung nach vorne: Verbesserung um 330 % – insbesondere, wenn die Besatzung nicht aktiv sucht 
  • Erkennung seitlich/hinten: Das System erkennt Angriffe auch ohne vorbereitete Besatzung zuverlässig 
  • Nachtsicht: Deutlicher Mehrwert bei Nacht, von den Besatzungen klar bestätigt 
  • Drohnenerkennung: Bisher ungenügend, hier sind weitere Entwicklungen mit besserer Hardware geplant 

Eine grosse Hürde liegt im heutigen System Management: Anpassungen an bestehenden Systemen (z.B. Einbau eines Situational-Awareness-Systems) dauern Jahre – faktisch ein Innovationsstopp. 

Unser Beitrag

  • Proaktive Initiierung: Im Gegensatz zu den meisten Vorhaben kam diese Idee nicht über die Innovationsplattform InnoBase, sondern wurde aktiv durch die Swiss Innovation Forces in die Armee getragen. 
  • Fachliche und inhaltliche Projektführung: Wir koordinieren alle Anspruchsgruppen innerhalb und ausserhalb der Armee, führen den Technologielieferanten, übernehmen Konzeptions- und Weiterentwicklungsarbeiten und bringen tiefes Technologieverständnis für Partnerwahl und Verhandlungen ein. 

So What?

Ohne dieses Projekt bleiben Gefechtsfahrzeuge verwundbar. Das betrifft nicht nur abstrakte Messgrössen, sondern direkt die Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten. Je sicherer sich eine Besatzung fühlt, desto besser kann sie ihren Auftrag erfüllen: die Verteidigung der Schweiz. 

Durch den modularen Ansatz profitieren potenziell alle Kräfte mit Gefechtsfahrzeugen von dieser Fähigkeit. Auch statische Anwendungen – z.B. der Perimeterschutz mobiler Kommandoposten – sind denkbar. Perspektivisch könnte das System sogar mit Waffensystemen gekoppelt werden, um Reaktionszeit und Treffsicherheit signifikant zu erhöhen – dieser Schritt liegt jedoch ausserhalb des Scope der nächsten Projektphase.